Freiheit



Vielleicht geht es dir auch so. In den Ferien ist es immer eine kleine Herausforderung den richtigen Spot zu finden um in Ruhe Yoga zu praktizieren.


Ich bin gerade in Griechenland wo wir die Eltern meines Partners besuchen. Wir sind in einem kleinen Fischerdörfchen in einer einfachen Pension direkt am Meer. Es ist herrlich die ganze Nacht die sanften Wellen zu hören, die dich in den Schlaf wiegeln und am Morgen in das tiefe Blau des Meeres zu schauen.


Da wir gerade am Strand wohnen, wollte ich heute morgen auch dort yogieren. Doch ich war schon etwas spät dran, sprich es war bereits zu heiss. So entschied ich mich auf der schönen grossen und schattigen Terrasse, die für alle Pensionsgäste zugänglich ist, jedoch total leer war, zu praktizieren. Ich breitete ich meine Yogamatte, blickte auf das schöne blaue Meer und den Strand und freute mich auf eine wunderbare meditative Yogapraxis begleitet vom Meeresrauschen und dem Hahn der im Hintergrund krähte :-).


Wie es so ist, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, nach 10 Minuten platzierten sich die ersten Gäste mit ihrer Tasse Kaffee auf der Terrasse. Die ersten Badegäste mit kleinen fröhlich jauchzenden Kindern kamen wenige Augenblicke später auch bereits an den Strand und ein junger Mann fing an mit zwei Trommelstöcken auf seinen Liegestuhl einzuschlagen und übte irgendwelche Trommelpartituren. Dann nahm ich plötzlich einen fischigen Geruch wahr und entdeckte nicht weit weg von mir einen toten Fisch.


Meine Yogapraxis entfernte sich immer wie mehr von meiner anfänglich romantischen Vorstellung und mein erster Impuls war, meine sieben Sachen zu packen und die Übung abzubrechen. Doch dann entschied ich mich dagegen. Ich erinnerte mich an eine für mich wohl wichtigsten Lektionen meines Philosophielehrers in Indien. Seine Definition von Karma Yoga. Du kannst oft die Umstände nicht ändern, doch du bist frei zu wählen wie du darauf reagierst, frei zu wählen welche Perspektive du einnimmst, frei zu wählen wofür du dich entscheidest. So hätte ich gehen können und auf meine Yogapraxis verzichten, einen anderen Platz suchen, ich hätte mich die ganze Zeit nerven können und die Opferrolle einnehmen. Doch ich entschied mich bewusst zu bleiben und die Praxis als Übung zu nutzen, um bei mir zu bleiben, auch wenn das drum herum nicht die für mich „idealen“ Bedingungen aufwies. Und bald kümmerte es mich nicht mehr ob mir jemand zu schaute. Ich nahm wahr was um mich herum geschah und gleichzeitig nahm ich wahr, wie ich darauf reagierte. Je bewusster ich wurde umso mehr entspannte ich mich und die Balance zwischen Aussen- und Innenwahrnehmung glich sich immer wie mehr aus.


Freiheit beginnt dort, wo wir uns bewusst dazu entscheiden für unser Handeln die Verantwortung zu übernehmen. Sobald wir das tun, verschwinden viele Grenzen, die wir uns meist selbst auferlegen wie von selbst.


Alles liebe und bis bald!

Nat' Schaad




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